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ÜBER UNS
Aus Anlass der Abschaltung des Kernkraftwerks Brokdorf haben sich im Sommersemester 2021 Studierende des Fachbereichs Art & Design der University of Europe for Applied Sciences mit dem Thema Energiewende und Atomausstieg beschäftigt.
Mehr über uns.

Für ihre Unterstützung danken wir den Bewohner:innen des Ortes Brokdorf, der Gemeinde Brokdorf, dem Kommunikationsbeauftragten des Kernkraftwerks Brokdorf Hauke Rathjen sowie der Hamburger Agentur Jung von Matt.



KONTAKT
Brokdorf bleibt
University of Europe for Applied Sciences
Museumstraße 39
22765 Hamburg, Germany

Telefon: +49 171 369 5359
Email: info@brokdorfbleibt.de
Presse: presse@brokdorfbleibt.de




INFORMATIVE ILLUSTRATION

MITARBEITER:INNEN PORTRAITS



PORTRAIT 4

DER ENTSORGER


Illustration: Der Entsorger


Ich bin seit 2018 im Kraftwerk Brokdorf und dort zuständig für Entsorgung, es geht um alle Arten von Abfällen.

Eine Besonderheit sind natürlich die Abfälle aus dem Kontrollbereich A, die entweder als radioaktive Stoffe ins Endlager Schacht Konrad kommen, oder sonst „freigemessen“ werden. Freimessen bedeutet, dass Abfälle auf Strahlung kontrolliert werden und dann, wenn keine Strahlung vorliegt, in den normalen Abfall gelangen können.

Ich fahre die 10 km von meinem Wohnort Wilster mit dem Fahrrad nach Brokdorf.
Mein liebster Platz im Kraftwerk ist natürlich die Kaffeemaschine. In Zukunft auch der Ort, an dem die Stoffe aus dem Rückbau freigemessen werden. Ja, ich finde es im Kraftwerk schön und würde auch wieder hier arbeiten.
Meine Arbeitszeiten kann ich zwischen 6 und 18 Uhr frei gestalten, es gibt natürlich auch Kolleg/innen im Schichtdienst.

In meinem Physikstudium habe ich mich auf Messtechnik spezialisiert. Meine Bachelor- und Masterarbeit habe ich dann in der Landesmesstelle für Radioaktivität erstellt. Als Physiker stelle ich aber eine Ausnahme dar - sonst sind hier viele Elektrotechniker und Ingenieure. Schon mein Vater arbeitete übrigens im Bereich Kernkraft.

Bis zum vollständigen Abbau des Kraftwerks werde ich hier zu tun haben. Ich werde sozusagen noch die Kühe messen, die hier nach dem Rückbau auf der Weide stehen.

Meine Tätigkeit im Bereich Strahlenschutz und Entsorgung besteht aus mehr Arbeit am Rechner, als man es vielleicht denkt. Es ist wirklich typische Büroarbeit, Berichte schreiben usw. Und gibt viele Gespräche mit Kollegen und Dienstbesprechungen. Es geht familiär zu, die Atmosphäre ist locker.

Generell habe ich eher wenig mit dem Betrieb im Kraftwerk selbst zu tun. Ich werde jetzt vor allem für den Rückbau aktiv sein.
Ob sich die Atmosphäre nach der Abschaltung ändern wird? Mal sehen. Dinge im KW sind schwerfällig, alles ist sehr kontrolliert und Dinge dauern.
Die letzte Revision vor der Abschaltung, das war ein bewegender Moment. An die Zeit im KW werde ich gute Erinnerungen haben.
Es wird sehr viel für die Sicherheit getan. Jede/r Mitarbeiter/in kann Beobachtungen, Mängel und Vorschläge weitergeben, alles wird gesichtet und besprochen.
Es gibt regelmässige Schulungen. Ein Teil davon sind human-performance-Schulungen.

Reaktionen von „aussen“ fallen sehr unterschiedlich aus. Meine Studienkollegen waren überrascht von meiner Entscheidung. Hier in der Region ist es eher normal - in der Regel kennt man immer jemand aus dem Kraftwerk.

Ich habe es auch nie verschwiegen. Man merkt aber schon, dass manche Menschen mit meinem Arbeitsplatz Probleme haben. In letzter Zeit ist das Thema weniger in den Medien. Wenn es Berichterstattung gibt, fällt die selten positiv aus.
Eine Standardfrage: „Leuchtest du im Dunkeln?“

Als Fukushima passierte, habe ich gerade Abi gemacht. Es hat mich interessiert, WAS da passiert ist. Ich muss aber sagen, dass ich mich im KW nie unsicher gefühlt habe.

Ob ich Verständnis für die Proteste habe? Jein. Ich kann die Ängste nachvollziehen, wenn man sich nicht so sehr mit dem Thema beschäftigt hat. Ich habe kein Verständnis, dass sich Leute nicht differenziert informieren.
Selbst der Rückbau des AKW wird noch kritisch begleitet, das ist komisch.

Ein Comeback der Kernenergie in Deutschland halte ich für unwahrscheinlich.

Ich fände es sehr gut, wenn die Versorgung mit erneuerbare Energien klappen würde, sehe aber ein Problem bei der Speicherung.

Ein Portrait von Aurélie Georges.