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ÜBER UNS
Aus Anlass der Abschaltung des Kernkraftwerks Brokdorf haben sich im Sommersemester 2021 Studierende des Fachbereichs Art & Design der University of Europe for Applied Sciences mit dem Thema Energiewende und Atomausstieg beschäftigt.
Mehr über uns.

Für ihre Unterstützung danken wir den Bewohner:innen des Ortes Brokdorf, der Gemeinde Brokdorf, dem Kommunikationsbeauftragten des Kernkraftwerks Brokdorf Hauke Rathjen sowie der Hamburger Agentur Jung von Matt.



KONTAKT
Brokdorf bleibt
University of Europe for Applied Sciences
Museumstraße 39
22765 Hamburg, Germany

Telefon: +49 171 369 5359
Email: info@brokdorfbleibt.de
Presse: presse@brokdorfbleibt.de




STUDIENGANG FOTOGRAFIE

ENERGIEWENDE + ATOMAUSSTIEG
/ LANDSCHAFT




Der Kurs Dokumentarische Fotografie beschäftigte sich mit den Themenschwerpunkten Energiewende und Atomausstieg.

Die zivile Nutzung der Atomenergie gehört zu den ambitioniertesten technischen Vorhaben und gleichzeitig zu den konfliktreichsten gesellschaftlichen Themen unseres Landes. Insbesondere seit Mitte der 1970er Jahre manifestierte sich in Westdeutschland der Beginn der grünen Bewegung in der Auseinandersetzung um den Bau von Atomanlagen.

Einer der symbolträchtigen Orte dieser Zeit ist das Kernkraftwerk Brokdorf. Planung und Bau des Kraftwerks waren jahrelang von massiven Protesten begleitet. Zur Jahreswende 2021/2022 wird das Kraftwerk nun in Folge des von der Bundesregierung eingeleiteten Ausstiegs aus der Atomenergie abgeschaltet.
Wie lässt sich ein solcher Moment adäquat gestalten?

Teil der Recherche war auch die Spurensuche vor Ort und die Begegnung mit Mitarbeiter*innen und Anwohner*innen.

Die Fotoreihen wurden ab dem 13. Dezember 2021  im Rahmen der Aktionswoche im Informationszentrum und auf dem Gelände des Kernkraftwerks Brokdorf ausgestellt und sind dort auch noch länger zu sehen.



PROJEKT 1

ENDE EINER INNOVATION



Fotoreihe: Ende einer Innovation



Mit der „Erfindung des Feuers“ (1) verglich 1955 der damalige Atomminister Franz Josef Strauß den Beginn der Kernenergie in Deutschland und versuchte der neuen Art der Energiegewinnung einen positiven Ruf zu festigen.
Nun endet mit dem Beginn des Jahres 2022 die Ära der Kernenergie in Deutschland. Dessen positiver Status mit weltweit fünf Kernschmelzen (2), darunter zwei Katastrophen (Tschernobyl und Fukushima), belastet wurde. 
Was bleibt, ist eine durchwachsende Beziehung zwischen dem Mensch und dessen Innovation, die mit der Zeit in unserem kollektiven Gedächtnis eingebrannt und vergrauen wird.
Doch ist die Kernenergie endlich wie der Mensch selbst. Nach der Abschaltung verbleiben die „Blackbox-artigen“ Hüllen der Kernenergie in ihrer Umgebung zurück. Sie stehen still und weichen der Bewegung von verändernder Innovation und der Laune der Natur.

(1) Sueddeutsche Zeitung 
(2) Focus

Eine Fotoreihe von Christian Kieselbach.



PROJEKT 2

HINTER DER FASSADE



In Reihenfolge:
R. Vock, T. Niebuhr, H. Rathjen, U. Jorden, T. Psik


„Atomkraft bedroht unsere Umwelt, Atomkraft ist unsicher, Atomkraft ist schädlich für unsere Gesundheit“.

Die Gewinnung von Atomenergie ist für viele Menschen mit Ängsten verbunden. Strom ist aber auch eine der wichtigsten Grundlagen für unser mobiles und digitales Leben im 21. Jahrhundert. Die Debatten um die Energiewende polarisiert die Menschen in Deutschland, Europa und der Welt genauso wie in einem kleinen Dorf in der Elbmarsch. Das KKW Brokdorf geht Ende 2021 nach 35 Jahren, vielen Kämpfen, Ängsten und Hoffnungen vom Netz.
In der Fotoserie Hinter der Fassade inszeniert Andra Schnebbe, Mitarbeiter im Kernkraftwerk Brokdorf an ihrem Arbeitsplatz. Die Porträtierten präsentieren der Außenwelt damit auch einen Einblick in ein Arbeitsumfeld, welches abgeschirmt und gut geschützt nur wenigen zugänglich war.

Eine Fotoreihe von Andra Schnebbe.



PROJEKT 3

UNTITLED



Fotoreihe: Untitled



Kernkraftwerke haben unabhängig vom gesellschaftlichen Ansehen etwas Gewaltiges an sich. Riesige Anlagen mit großen Kuppeln, Gebäuden und Schornsteinen. Passend, wenn man bedenkt, dass diese „Fabriken“ Strom für ganze Länder produzieren. Äußerlich wirken Atomkraftwerke also schon sinnbildlich, für das was sie tun. Die Massenproduktion von Energie. 
Kilian Lehnert zeigt in seiner Serie die äußerlichen Merkmale unter einem ästhetischen Aspekt. Er stellt die Details der Architektur des Atomkraftwerk Brokdorfs heraus. Die Farbgestaltung hält er durchgehend in Schwarzweiß, damit der Fokus auf den grafischen Formen liegt.

Eine Fotoreihe von Kilian Lehnert.



PROJEKT 4

ICH ERINNERE MICH NOCH GUT



In Reihenfolge:
O. Stahl, U. Gerdes, H. Averhoff, H. Langbehn, H. Gerdes, K.H. Langbehn


„Zu der Zeit des Baus war es hier teilweise schlimmer, als während des Krieges.“ 

Aussagen wie diese hört man aus den Mündern einiger älterer Anwohner in Brokdorf, wenn sie sich an die Bauphase und die Proteste in den 70er Jahren zurückerinnern. Mit der Inbetriebnahme des Kernkraftwerkes veränderte sich 1986 nicht nur das dörfliche Zusammenleben, sondern auch die Zukunftsperspektiven vieler Anwohner auf sehr unterschiedlich Art und Weise. Dystopische Zukunftsbilder und Ängste vor Verlust des Lebensraumes für die Einen, wirtschaftlicher Wachstum, Steuervorteile und Aussicht auf Arbeitsplätze für die Anderen. Vanessa Thiele beschäftigt sich in ihrer Serie Ich erinnere mich noch gut mit den Zeitzeugen in Brokdorf. Sie porträtiert die Menschen in ihrem Heimatort und konfrontiert sie mit Archivbildern der Bauphase und der Proteste. So erstellt sie eine Verbindung zwischen Vergangenem und Gegenwärtigem.
Vanessa traf unterschiedliche Menschen, wie zum Beispiel Mitarbeiter des Kraftwerks, einen Lehrer, der damals bei den Protesten ebenfalls protestiert hat, aber auch Bewohner aus der Gemeinde, welche viel für die Gemeinde tun und in dieser sehr aktiv sind.

Neben den Porträts arbeitete sie mit Archivbildern, um die Geschichten der Einwohner bildlich zu verdeutlichen. Diese können in der Rauminstallation in der Aktionswoche im Informationszentrum des Kernkraftwerks Brokdorf angeschaut werden.

Eine Fotoreihe von Vanessa Thiele.



PROJEKT 5

DEICHENERGIE



Fotoreihe: Deichenergie



Der Energiewende entgegenkommend, fotografierte Jakob Engellandt diverse Kraftwerke wie z. B. Krümmel und Brokdorf, um eine Serie zu entwickeln, welche den Ausstieg aus der Kernenergie visuell darstellt.

Der Fokus bezieht sich hierbei erst auf die architektonischen Formen und anschließend auf die umliegende Natur, die der Kulisse einen starken Kontrast bietet. In der Anordnung der Serie entwickelt sich das Verhältnis zwischen den Kraftwerken und deren Umgebung progressiv. Seine Intention ist es, die Betrachter:innen Stück für Stück in die umliegende Kulisse einzuführen, bis letztendlich nichts mehr von den Kraftwerken zu sehen ist.
Um diese Entwicklung zu unterstreichen, wurden Bilder mit Fokus auf das Kraftwerk mit natürlicher Frontalbelichtung fotografiert, während die Bilder mit zunehmenden Anteilen an Natur das Kraftwerk durch Rückbeleuchtung wortwörtlich in den Schatten stellen.

Eine Fotoreihe von Jakob Engellandt.



PROJEKT 6

ELEMENTS



Fotoreihe: Elements



Während im Ausland oftmals weiterhin auf Kernenergie gesetzt wird, steigt
Deutschland bis Ende 2022 aus der Atomenergie aus. In seiner dokumentarischen Fotoserie „Elements“ zeigt Lukas Czarnojohn in einer wertfreien Arbeit die Räumlichkeiten und die Umgebung eines der letzten aktiven Kernkraftwerke Norddeutschlands.
Bei seiner Arbeit überraschte ihn, dass die Schaltzentrale noch immer analog betrieben wird. Auch die gesamte Anlage wirkt in der heutigen Zeit wie aus einer anderen Welt. Die Einfachheit, mit der in Brokdorf Energie gewonnen wird, scheint längst überholt – und ist trotzdem noch möglich.
Vor dem Besuch im KKW stand der Fotograf dem Sicherheitsaspekt dieser Form der Energiegewinnung sehr skeptisch gegenüber. Durch den Besuch im KKW hat sich diese Skepsis relativiert, was zum einen durch die professionelle Führung durch die Anlage und zum anderen durch die eigenen optischen Eindrücke beeinflusst wurde.
Trotz dieser Erkenntnis präferiert Lukas Czarnojohn die erneuerbaren Energien wie Windkraft und Sonnenenergie, da diese nachhaltiger und weniger gefährlich für Mensch, Tier und Umwelt sind.
Seinen Fokus legt Lukas Czarnojohn in seiner Fotoserie auf die Architektur des Kraftwerks im Kontrast zu dem Dorf Brokdorf und präsentiert diese zusammen mit detaillierten Innenaufnahmen des Kraftwerks.
Um eine möglichst neutrale Sichtweise zu vertreten, fotografiere Lukas Czarnojohn sehr objektiv, mit graden Linien bei grau bedecktem Himmel. Dies kombiniert er mit einer sehr hellen Bild-Ästhetik und Pastellfarben.

Eine Fotoreihe von Lukas Czarnojohn.



PROJEKT 7

EIN KKW IM DORF



Fotoreihe: EIN KKW IM DORF


Brokdorf, ein Dorf gelegen an der Elbe in Schleswig-Holstein. Zuerst schlicht und unscheinbar, bis man jedoch das Atomkraftwerk in unmittelbarer Nähe sieht. Wie kann ein Atomkraftwerk ein Dorf prägen und wie nimmt man es bei Tag oder bei Nacht wahr? 
Roman Repetilo ist einerseits von der Ingenieurskunst eines solchen Konstruktes fasziniert, andererseits davon, dass man ihre verheerenden Kräfte spüren kann.

Kernkraftwerke faszinieren Roman im positiven, aber auch im negativen Sinne. Spätestens nach Tschernobyl oder Fukushima wurde deutlich gezeigt, was ein Kernkraftwerk durch Unfälle oder Naturkatastrophen verursachen kann. In seiner Serie zeigt er die Ambivalenz, die so ein Kraftwerk einem ruhigen Dorf verleihen kann.
Deswegen fotografiert er die Landschaft und das Dorf bei Tag. Zuerst soll ein Eindruck von einem gewöhnlichen Dorfe in Norddeutschland entstehen. Der Betrachtende soll durch gleiche Einstellungen und das quadratische Format ein Gefühl von Ruhe bekommen bis man langsam das Atomkraftwerk zu sehen bekommt. Damit die Ambivalenz gefestigt werden kann, bekommt man das AKW auch bei Nacht zu sehen. So entsteht ein Gefühl von Spannung, Gefahr und Düsterkeit.

Eine Fotoreihe von Roman Repetilo.



PROJEKT 8

DICH



Fotoreihe: DICH


Die Serie DICH erforscht spielerisch die gegensätzliche Formensprache von „Natur“ und Industriearchitektur. Johanna Menke experimentiert mit der grafischen Visualisierung von Abschottung und sensibilisiert mithilfe von symbolischen Bildern unsere Wahrnehmung für diese Gegensätze im Landschaftsbild der Elbmarsch.

In ihrer Serie zum Thema ‚Energiewende/ Atomausstieg‘ verfolgt Johanna Menke einen abstrakten Ansatz. Ziel dessen ist es, das Atomkraftwerk, welches zum großen Teil einem kritischen Blick unterliegt, in einer anderen Perspektive zu zeigen und eine dritte künstlerische Ebene mit einfließen zu lassen, um dieses zu ästhetisieren. Mithilfe einer Gegenüberstellung der Umgebung wird der schmale Grat zwischen Weitläufigkeit der Natur und einem klaren nahezu militärischem Abgrenzen seitens des KKW’s herausgearbeitet.
Fotografiert wird das KKW in Brokdorf. Um ein einheitliches Gesamtbild zu erschaffen, werden diese bei bedecktem Himmel und nach strengem Farbkonzept erstellt. Sowohl das Quadratformat als auch der Verzicht auf starke Schatten unterstützen die klare Linienführung und den Gedanken der Abstraktion. Des Weiteren stellt das Motiv des Deiches ein wiederkehrendes Element dar. Es dient zur Verortung, unterstützt das oben beschriebene Farbkonzept weiß/grün und spiegelt den Charakter der Umgebung des KKW’s in Brokdorf wider.

Eine Fotoreihe von Johanna Menke.



PROJEKT 9

BEHERRSCHUNG DES FEUERS 



Fotoreihe: Beherrschung des Feuers


„Manchmal täte der Mensch gut daran, einen Schritt zurückzutreten und zu bedenken, welche Auswirkungen sein Schaffen hat.“
John Philip Christians

Die Serie Beherrschung des Feuers spiegelt das Verhältnis von Menschen und Natur wider, sie reflektiert, wie weitreichend sich der Mensch die Natur formt, verändert, sie nutzt und dabei seine spezifischen Interessen dominant umsetzt.
Die Serie betrachtet den aktuellen Punkt der Entwicklung des Menschen, der sich, durch seine unspezialisierte Evolution, immer weiter an technische Herausforderungen wagt, um sich zu entwickeln. Was mit der Beherrschung des Feuers begann, ist heute bei einer gigantischen Methode angekommen: Masse in Energie umzuwandeln. Ein Ende des technischen Fortschritts scheint nicht in Sicht.

Eine Fotoreihe von John Philip Christians.



PROJEKT 10

BROKDORF IN DER LANDSCHAFT



Fotoreihe: Brokdorf in der Landschaft


In seiner Serie möchte Joshua Kehr das Kraftwerk Brokdorf aus vielfältigen Perspektiven darstellen. Der Fokus liegt für ihn auf dem Kraftwerk als Teil der Landschaft. Bei den Aufnahmen soll das Kernkraftwerk aus verschiedenen Blickwinkeln präsentiert werden. Grundsätzlich in einer neutralen Sicht wird dargestellt, was Menschen von außen sehen können. Für einzelne Aufnahmen ist eine besondere Herangehensweise vorgesehen, hierbei handelt es sich um Panoramaaufnahmen.
Eine Fotoreihe von Joshua Kehr.



PROJEKT 11

NATURE COMES BACK



Fotoreihe: Nature Comes Back


In der Fotografie interessiert sich Dominik Kopsik speziell für die ungewöhnliche Zusammenstellung von Motiven, die im Kontrast zueinanderstehen. Durch Perspektive und Bildgeometrie versucht er die verborgenen Aspekte zu zeigen, die im Hintergrund fast unsichtbar sind, und die erst bei näherer Betrachtung zum Vorschein kommen. Auf den Bildern steht die Natur im Vordergrund in Gegensatz zu Technik und Zivilisation. Scheinbar harmonisch wirkende Bilder vermitteln jedoch eine andere Botschaft und führen zu den Reflexionen.
 Eine Fotoreihe von Dominik Kopsik.